In "Grundlagen der Philosophie" entwirft Herbert Spencer den systematischen Auftakt seiner synthetischen Philosophie: den Versuch, Naturwissenschaft, Psychologie, Soziologie und Ethik unter ein einheitliches Entwicklungsgesetz zu stellen. Ausgehend von der Unterscheidung zwischen dem Erkennbaren und dem Unerkennbaren entwickelt das Werk eine Theorie der Evolution als fortschreitende Differenzierung und Integration. Sein Stil ist streng argumentierend, begrifflich dicht und vom Selbstvertrauen des viktorianischen Positivismus geprägt; zugleich steht das Buch im Kontext jener großen Systeme des 19. Jahrhunderts, die nach Darwin, Comte und der klassischen Metaphysik eine umfassende Ordnung des Wissens suchten. Herbert Spencer, 1820 in Derby geboren, war Philosoph, Sozialtheoretiker und einer der einflussreichsten Denker des englischen Liberalismus. Ohne akademische Laufbahn, aber mit mathematisch-technischer Schulung, journalistischer Erfahrung und intensiver Beschäftigung mit Biologie und Gesellschaftslehre, entwickelte er ein Denken, das wissenschaftliche Beobachtung mit weitreichender Spekulation verband. Seine Zeit, geprägt von Industrialisierung, Fortschrittsglauben und religiösen Gewissheitskrisen, bildet den geistigen Hintergrund dieses Buches. Empfohlen sei "Grundlagen der Philosophie" allen Leserinnen und Lesern, die die großen Architekturversuche moderner Weltdeutung verstehen wollen. Auch wo Spencers Thesen heute kritisch zu prüfen sind, eröffnet das Werk einen bedeutenden Zugang zur Geschichte des Evolutionismus, des Positivismus und der Sozialphilosophie.