Spinozas Ethik entfaltet in fünf Teilen eine systematische Metaphysik, Erkenntnislehre und Affektenlehre, die im Nachweis menschlicher Freiheit gipfelt. In geometrischer Ordnung aus Definitionen, Axiomen und Lehrsätzen entwickelt, verbindet das Werk strenge Deduktion mit einer radikalen Neuinterpretation von Gott, Natur und Geist. Im Kontext des frühneuzeitlichen Rationalismus antwortet es auf Descartes, Hobbes und die scholastische Tradition, indem es Substanzmonismus, Determinismus und eine therapeutische Theorie der Leidenschaften zusammenführt. Baruch Spinoza, 1632 in Amsterdam als Sohn portugiesisch-jüdischer Exilanten geboren, lebte nach seinem Bann aus der jüdischen Gemeinde als Linsenschleifer und unabhängiger Denker. Seine Erfahrung religiöser Konflikte, politischer Unsicherheit und wissenschaftlicher Neuerungen prägte den Anspruch, Philosophie von Offenbarungsautorität zu lösen und Vernunft als Weg zur Seligkeit zu begreifen. Die postum 1677 erschienene Ethik ist daher zugleich persönliches Bekenntnis intellektueller Redlichkeit und philosophisches Hauptwerk. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die keine Erbauungsschrift suchen, sondern eine anspruchsvolle Schule klaren Denkens. Wer bereit ist, der spröden Beweisform zu folgen, entdeckt eine erstaunlich moderne Analyse von Freiheit als Einsicht in Notwendigkeit, von Ethik als Affektbildung und von Glück als tätiger Erkenntnis. Die Ethik bleibt unverzichtbar für Philosophie, Theologie und politische Ideengeschichte.