Das Falkenschloss ist ein ehrwürdiges Zeitunghaus. Vor allem aber ist es eine Burg der Rechtschaffenheit und eine Bastion der Rechtschreibung. Je tiefer die Stadt, die Welt draußen in Zügel- und Regellosigkeit versinken, desto strenger pochen die Leute vom Falkenschloss auf korrekte Grammatik und guten Stil. Nicht nur die Redaktion! Vom Portier über drei leicht subversive Telefonistinnen bis zur kryptischen Krystyna von der Bedienung haben alle eine Meinung, was richtig ist und was falsch. Erst recht, als das Chaos auch im Falkenschloss Einzug hält: Der Chefredaktor ist verstorben, diverse sind Ressortleiter abgängig, Volontäre aus gutem Haus verschwinden grundlos und müssen notfallmäßig ersetzt werden - durch den leider leicht missratenen "Junior", Sohn des verstorbenen Kommunismus-Spezialisten, und durch die rätselhafte Vola, die brauchbar schreibt, aber die trotzdem keiner eingestellt haben will. Ach ja, und dann probt auch noch die Jugend der Stadt den Aufstand ausgerechnet vor den Toren der Zeitung. Zum Glück ist da noch der Große Korrektor! Er korrigiert in seinem Eckturm nicht nur hoffnungslos fehlerhafte Artikel, sondern auch den Roman Falkenschloss während Sie ihn lesen.
"Richard Reichs Roman "Das Falkenschloss" ist eine glänzend geschriebene Hommage an die «alte Tante» NZZ in einer Zeit, als die Redaktoren noch als kleine Könige in Einzelbüros sassen, ihre Briefe diktierten und darauf warteten, dass ihnen die Post gebracht wurde. Man weiss gar nicht, was man an dem Werk mehr bewundern soll: die atmosphärische Dichte oder die stimmigen Dialoge, die präzise Figurenzeichnung oder den listig-behaglichen Duktus, das souveräne Spiel mit Fakten und Fiktionen oder den warmen Humor."
Manfred Papst