Die heilige Agnes von Rom - Kind, Jungfrau und Märtyrerin - ist eine der faszinierendsten Figuren der christlichen Hagiographie. Doch wie veränderte sich das Bild dieser jungen Heiligen über die Jahrhunderte? Diese Seminararbeit untersucht die Darstellung von Weiblichkeit anhand dreier zentraler Quellen: von den hinführenden Schriften des Ambrosius von Mailand (377 n. Chr.) über die poetische Bearbeitung durch Prudentius bis hin zum mittelalterlichen Bestseller, der Legenda aurea. Im Fokus steht die Analyse, wie Autoren ihre eigenen gesellschaftlichen Ideale in die Viten einfließen ließen, um Agnes als moralisches Vorbild zu stilisieren. Besonders die Verbindung von "weiblicher" Zartheit und "männlicher" Glaubensstärke sowie der soziale Umgang mit dem Ideal der Jungfräulichkeit werden kritisch beleuchtet. Eine spannende Untersuchung über die Macht der Erzählkunst und den Wandel von Geschlechterrollen in religiösen Texten.