1906: Im Oberwalliser Dorf Visperterminen herrscht grosse Not. Die Armut und andauernde Trockenheit zwingen viele, auszuwandern, so auch die Brüder Gustav und Alphons Briggeler, die als Melker nach Bad Kudowa in Schlesien gehen. Dort heiraten sie die Schwestern Anna und Elisabeth, Jahre später kehren die jungen Familien ins Wallis zurück. Die Aussichten, hier gut leben zu können, haben sich verbessert, mittlerweile wurde ein Stollen gebaut, der das Bergdorf mit Wasser versorgt.
Als Anna unerwartet stirbt, ist Elisabeth die einzige Fremde im Dorf. Die Terbiner grenzen sie aus, nennen sie «die Titscha». Gustav und Elisabeth kämpfen sich durch, trotz Aussenseiterstatus, wenig Geld und eines schlimmen Unfalls, der ihren Arbeitsalltag für immer beeinträchtigen wird.
Odilo Abgottspons Grossmutter Elisabeth wird zur zentralen Figur in diesem Lebensroman einer Familie über mehrere Generationen. Eindrücklich beschreibt Abgottspon die harte Arbeit, die Not und Angst, aber auch den Zusammenhalt und die alltäglichen Freuden. Und zeichnet die Veränderungen nach, die das Dorf während fast hundert Jahren erfahren hat.
Dann kam der erste Winter; er war weniger kalt als in Schlesien, aber viel mehr Schnee lag auf Wiesen und Bäumen, die Mädchen hatten noch nie so etwas gesehen, so viel dickes blankes Weiss. Gustav ging mit dem Vater und Lukas ins Holz, Elisabeth und Anna beschlossen, Brot und Kuchen zu backen und zum Verkauf anzubieten. In Moritz' Küche stand ein Eisenofen, den er mit Geld aus Schlesien in Visp günstig erstanden hatte, und Anna, die seit Alphons' Tod mit den Kindern bei ihm wohnte, hatte an diesem Herd schon einiges gezaubert. Hier nun, in geschwisterlicher Zusammenarbeit, entstand Gebäck, das die Terbiner noch nie gekostet hatten, also kauften sie es nicht.