Der tiefe Blick in die Seele Amerikas: Bruce Springsteens
Born In The U.S.A.
Als
Born In The U.S.A.
1984 erschien, war Bruce Springsteen längst eine feste Größe im amerikanischen Rock-Business. Er hatte bereits sechs Alben abgeliefert, die hymnischen Gitarren-Rock, aber auch eindringliches Singer-Songwriter-Material boten, und wurde vor allem für seine phänomenale Live-Präsenz gefeiert. Springsteen galt als nahbarer Kumpeltyp, der wusste, wie es den einfachen Leuten ging, die hart für ihr Geld arbeiten mussten - in einem Land und in einer Zeit, wo das gesellschaftliche Klima immer kälter und rauer wurde.
Genau davon erzählt
Born In The U.S.A.
, mit dem der »Boss« endgültig zum Superstar wurde.Das lag natürlich vor allem an den mitreißenden, packenden Songs in radiotauglichem Gewand - der Titeltrack, »Dancing In The Dark« oder »I'm On Fire« wurden weltweit Riesenhits und ließen auch das Album allerorten an die Chartspitze schießen. Die Texte hingegen zeichneten das Bild einer von Vietnam und Watergate erschütterten Nation, die nach neuen Träumen lechzte, und blickten Amerika tief in die Seele. In
Born In The U.S.A. - Soundtrack einer Generation
analysiert Rock-Kritiker Steven Hyden diese legendären Songs vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Gegebenheiten ihrer Zeit, untersucht aber auch ihren enormen Einfluss auf die amerikanische Kultur.
Gleichzeitig outet sich Hyden, der als Sechsjähriger sein erstes Springsteen-Konzert erlebte, als beinharter Fan, der alles über die Musik wissen will. Was steckte hinter dem Titelsong, der fälschlicherweise oft als nationalistische Hymne verstanden wurde, obwohl Springsteen hier vor allem die Unzufriedenheit und Resignation jener Menschen herausschrie, die in der modernen Welt der Reaganomics keinen Platz mehr fanden? Wie entstand der neue Sound, bei dem neben Gitarren auch Synthesizer stilprägend wurden? Welche Rolle spielte die E Street Band? Und: Wie erging es dem Boss selbst mit diesem Riesenerfolg, der im Grunde allem widersprach, was er bisher verkörpert hatte?
Born In The U.S.A. - Soundtrack einer Generation
schildert spannend und sehr informativ die Entstehung eines Klassikers, der seine Bedeutung auch in Trumps Amerika nicht verloren hat.
EIN STÜCK ROCKGESCHICHTE ALS FASZINIERENDE ZEITGESCHICHTE!
Am 4. Juni 1984
gab Columbia Records eine Platte heraus, die zu einem der meistverkauften und bedeutendsten Rockalben aller Zeiten werden würde: Bruce Springsteens
Born In The U.S.A.
, ein Klassiker, der sich in den nächsten vierzig Jahren nicht allein für den Mann, der das Album gemacht hatte, sondern für die Rockmusik an sich und die amerikanische Kultur im Allgemeinen als Meilenstein erwies.
In seinem materialreichen und meinungsstarken Buch zeigt der renommierte Musikkritiker Steven Hyden auf, wie diese Platte zum zentralen Bestandteil der amerikanischen (Kultur-)Geschichte wurde. Der Autor wechselt zwischen aufschlussreicher Kritik, peniblem Journalismus und persönlichen Anekdoten, wenn er sich eingehend mit der spannenden Vorgeschichte des Albums, seinen ikonischen Songs und seinem gigantischen Erfolg befasst. Über Bruce Springsteens Karriere hinaus untersucht er aber auch die Rolle, die
Born In The U.S.A.
im größeren historischen Kontext innehat, und dokumentiert nicht nur, wo sich die USA in den turbulenten Zeit nach Vietnam und Watergate befanden, sondern zeigt zudem auf, wohin sie sich später entwickelten: Wie Springsteen selbst schweren Herzens einräumt, sind aus vielen der progressiv eingestellten Amerikaner aus der Arbeiterschicht des Mittleren Westens, über die er 1984 geschrieben hatte, zu Beginn der 2010er Jahre verbitterte und sich betrogen fühlende Trump-Wähler geworden. Seine tief empfundenen Texte belegen dabei, dass sich die gegenwärtigen chaotischen Zustände in den USA schon seit Längerem abgezeichnet haben ...