Der Autor stellt die Entwicklung des Universums in vier Stufen dar - 1.
die Entstehung der Materie als Vorstufe des Lebens (Geogenese), 2. die
Entstehung des Lebens aus der Materie (Biogenese), 3. die Entstehung des
Denkens (Psychogenese) bzw. des Ich-Bewusstseins (Noogenese) innerhalb
des Lebens und 4. der Zusammenschluss des Denkens zu einer >>höheren Lebensform<<
(Konvergenz des Geistes). Die erste Materie bildet sich aus der >>Granulation<<
einer Ur-Energie, dem Licht vergleichbar. In der Materie erscheint diese
Energie in zweifacher Form: als >>tangentiale<<, äußere Energie, welche
die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Stoffs bestimmt und
als >>radiale<<, innere Energie, die bereits dem einfachen Stoff eine gewisse
>>Spontaneität<<, ein rudimentäres Bewusstsein verleiht und die eigentlich
treibende Kraft für den Fortschritt der Evolution darstellt. Die Materie
hat von Beginn an eine >>zweiseitige Struktur<< und neben physischen auch
psychische Merkmale. Die Evolution erscheint Teilhard als eine Reihe >>geplanter
Zufälle<<, die immer wieder zu sprunghafter Komplexitätszunahme in der
Anordnung der Elementarteile führen - so etwa beim Übergang von unbelebter
zu belebter Materie (vom Makromolekül zur Zelle) oder bei der Herausbildung
des denkenden Ich-Bewusstseins beim Homo Sapiens durch Entwicklung des
Nervensystems. Gleichzeitig findet eine >>Erhitzung oder Konzentration
des Psychischen<< statt. Die physikalischen Eigenschaften der Materie treten
durch die Noogenese in den Hintergrund und es entsteht eine soziale und
mentale Gemeinschaft, eine Solidarität im Denken und Handeln, die als >>Noosphäre<<,
als >>denkende Schicht<<, den gesamten Erdball umschließt. Das reflektive
Bewusstsein des Menschen, von der Evolution hervorgebracht, richtet sich
nun auf sich selbst und seine Entstehung. Er ist angehalten, die Zielrichtung
der natürlichen Evolution zu erkennen, um diese aktiv (also auch mit künstlichen
Mitteln wie z. B. der Technik) voranzutreiben. In diesem Sinne setzt die
menschliche (Kultur-)Geschichte die >>organische Bewegung des Lebens<<
bis zu ihrem Ende, dem >>Punkt Omega<<, fort. In Omega addiert und vereinigt
sich das durch die Noogenese frei gewordene Bewusstsein zu einem kollektiven,
planetarischen Gedächtnis und bringt als >>Überpersönliches<< die in sich
vereinigten Persönlichkeiten zur Vollendung. Der Autor betont, dass sich
die einzelnen Persönlichkeiten in der Konvergenz nicht auflösen, sondern
ihr jeweiliges Ich-Bewusstsein und damit ihre Einzigartigkeit in Omega
erst zur vollen Entfaltung gelangt. Das Streben des Bewusstseinsdrangs
>>nach immer höheren psychischen Formen<< bis hin zu Omega ist unumkehrbar
und sehr wahrscheinlich. Omega selbst ist von Anfang an als evolutive Kraft
in der Schöpfung präsent und steht als deren Endpunkt außerhalb von Zeit
und Raum. Der Gläubige erkennt in Omega Christus wieder, dessen Kraft der
Liebe als Gesetz der gegenseitigen Anziehung alles Werden bestimmt, um
es am Ende der Zeit in der Ewigkeit zusammenzuschließen.