Platons Schüler Aristoteles sah Frauen als unvollständige Männer an, der englische Dichter und Philosoph John Milton bezeichnete die Frau als den annehmbarsten Naturfehler und sogar Hannah Arendt war der Meinung, Frauen könnten nur durch den Fortschritt der Technik emanzipiert und dazu in die Lage versetzt werden, am öffentlichen Leben " dem eigentlichen Leben " teilzunehmen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Platon mit den in Buch V seines staatsphilosophischen Hauptwerks Politeia festgeschriebenen Forderungen nach einer Abschaffung der Familie und der "Gleichstellung" von Männern und Frauen im Wächterstand eine Debatte ausgelöst hat, die bis heute akademische Gemüter erhitzt. Die Tatsache, dass Platon einerseits einigen wenigen Frauen Vernunft und große Fähigkeiten zugesteht, seine Dialoge andererseits jedoch von frauenfeindlichen Äußerungen durchzogen sind, macht die Beurteilung von Platons Frauenbild nicht gerade einfach. War Platon nun tatsächlich der erste Feminist? Oder hatte er für seine Forderungen doch alles andere als feministische Gründe?